CHRISTIAN BECKER

Geschichten erzählt, Christian Becker zeigt Fotografien im Otto-Pfeiffer-Museum

Siegener Zeitung, am 22. März 2014

Die Havanna fest im Mund, blickt der ältere Mann mit dem Strohhut auf dem Kopf und den Jahresringen auf der kaffeebraunen Haut im Gesicht aus dem Foto heraus. Es scheint fast so, als würde er gleich mit dem Betrachter kommunizieren wollen. Daneben ist ein ebenfalls großformatiges Foto zu sehen, das auch in Kuba entstanden ist. Ein junger Afrokubaner mit Sonnenbrille vor einer belebten Straßenszene lächelt freundlich in die Kamera.

Die beiden Aufnahmen, wie auch die acht weiteren von Christian Becker aufgenommenen Fotos lassen den Betrachter und den Fotografierten in einen Dialog treten. Bei der Vernissage der Ausstellung des Neunkircheners am Donnerstagabend im Otto-Pfeiffer-Museum in Freusburg sprach Thomas Molsberger, Vorsitzender des Fördervereins zur Erhaltung geschichtlich und kultureller Werte, nicht zuletzt bei dem Kubaner mit der Havanna von einem „genialen Foto, wie gemalt“. Er spannte einen Bogen zwischen Malern der Renaissance, die mit Professionalität das Handwerkliche beim Malen herausgekitzelt hätten.

Mit der Fotografie habe die Malerei dann jedoch nicht mehr mithalten können, meinte Molsberger, für den letztendlich das Objekt, die Begebenheit, der Mensch und die Situation entscheidend sind, wie beispielsweise ein Mann auf den Gleisen, von Becker in Kuba aufgenommen. „Interessant wird es, wenn der Betrachter sich vor das Foto stellt und wirken lässt“, sagte Molsberger. Die Besucher ermunterte der Vorsitzende, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.

Der 26-jährige Becker habe immer alles gut mit der Kamera erwischt, der Rest sei die Sache des Betrachters. Bei der Vernissage gab Christian Becker einen Einblick in seine Fotografie, die er vor zweieinhalb Jahren für sich entdeckte. Über Reise- und Landschaftsthemen beschäftigte er sich immer mehr mit der Fotografie und kam so Mitte 2012 zu seinem heutigen Steckenpferd, der Street- und Porträtfotografie. Inzwischen mit einer Vollformatkamera und einer 50er-Festbrennweite nimmt der 26-Jährige Menschen und Situationen in den Sucher – und wartet manchmal geraume Zeit, bis sich das eigentliche Motiv in einer zufälligen Begebenheit arrangiert.

In einer Regennacht sei er auf einen Wandspot aufmerksam geworden. Das Licht habe Reflektionen auf dem nassen Asphalt hinterlassen. Als eine Person mit einem Schirm durch diese Szene lief, löste er die Kamera aus. Diese Streetszenen zeigt er gewöhnlich in Schwarzweiß – eine davon in Freusburg: In Großbritannien ist eine Person an einem kleinen See zu sehen und lässt vor der Kulisse von zwei neugierigen Schwänen ein Modellsegelboot zu Wasser. Es sind leise Fotos, die aber alle eine Geschichte erzählen, etwa bei der Straßenszene aus Kuba, bei der Menschen auf eine Lastwagenpritsche steigen, oder der Straßenmaler, der in einer schmalen Gasse auf dem Bordstein sitzt, die Malutensilien neben sich ausgepackt und malt.